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Archive for the ‘Bremsscheibe’ Category
Billig fahren, Teile preiswert kaufen
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Radgelagert ab unter den Baum
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Nur 333 Stück: Audi A1 Quattro
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Bremsen und Ölen…
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Diesen Winter ein Daimler!
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Kaputte Bremsen, Zeitdruck und Schrauberlösungen…
Ay liebe bremsende Bloggemeinde,
seit einigen Monaten rege ich mich an dieser Stelle episch über meine flatternden Bremsscheiben vorn auf. Denn das nervt! Nun – die einen schreiben mir eine Mail, dass dieses Flattern nach fast 150.000 mit diesen Scheiben gefahrenen Kilometern doch völlig normal sei, mann nenne dies “Verschleiß“. Ah. Die anderen posten unverfroren in den Kommentaren, ich solle doch endlich mal aufhören zu jammern und neue Bremsscheiben einbauen! Ja Jungs, wenn das so einfach wäre! Der Audi V8 hat ursprünglich innen umgriffene Scheibenbremsen verbaut, im Volksmund UFOs genannt. Mehr Bremsfläche bei gleicher Felgengröße, 30% bessere Verzögerungswerte und rund der dreifache Preis normaler Bremsscheiben – was meinen Vorbesitzer wohl dazu veranlasst hat, auf die Werksbremsen vom alten Audi S4 und S6 umzurüsten. Inklusive Federbeine, die berühmte HP2 Bremse. Die passt nun aber von der Ersatzteilversorgung nicht mehr zu der Schlüsselnummer im Schein. Aaah! Und überhaupt sind da noch ein paar klitzekleine unerwartete Katastrophen passiert, bevor der Audi wieder kraftvoll zupacken konnte…
Probleme sind dazu da, angepackt zu werden.
In ewiger Unkenntnis der genauen Teilenummer nehme ich einen der Winterreifen kurzerhand ab, lese die Zahlenfolge (in diesem Fall sogar noch original Audi) von der Bremsscheibe ab und schreibe sie – endlich! – mit einem Edding auf die Wand meiner Garage. Das werde ich auch mit den Nummern der Zündkerzen, Verteilerkappen und Bremsklötze machen. Nach fast 10 Jahren mit diesem Auto sollte man die typischen Verschleisteile vielleicht einmal katalogisieren… So sehe ich dann auch, dass die noch im Regal liegenden Scheiben leider nicht auf den Audi passen. Sie scheinen noch von meinem Citroen XM zu stammen… Und auch bei meinem lokalen Höker lerne ich wieder etwas: Die Firma ATE stellt nicht mehr alles in Deutschland her, speziell im Bereich Bremsen kaufe man aus dem osteuropäischen Ausland dazu. Ah. Bei Bremsen bin ich allerdings einigermaßen fixiert auf Made in Germany, hier wollen im Zweifelsfall fast 2 Tonnen zum Stehen gebracht werden und diese billigen Schrottstahl-Legierungen bei ebay haben mich schon mehr als einmal enttäuscht. Also? Zimmermann, in der gelochten! Version für 65,- Euro netto das Stück. Da kann man doch bei diesem Kaliber nicht meckern. “Nur noch kurz” die alten Scheiben runter, das geht beim V8 durch lösen zweier 18er Muttern am Lucas-Sattel. Hat man den dann zärtlich mit einem großen Kuhfuß heruntergehebelt, plumpst die Scheibe seufzend vom Federbein.
Bis hierher funktioniert die Theorie wunderbar. Im Motorraum wird der Ausgleichsbehälter für die Bremsflüssigkeit aufgeschraubt, um die Flüssigkeit beim Zurückdrücken der Bremskolben pegeln zu lassen. Jeder Sattel des V8 hat vier solche Kolben, wobei zwei von ihnen auf einem Sattel schwimmend gegenüber gelagert sind. Einfache Mechanik und Hydraulik, dank Stahlflexschläuchen hocheffizient und langlebig. Immerhin schon 472.000 Kilometer. Damit die neue fröhliche Scheibe auch zwischen die Klötze passt, werden die Kolben mit viel Gefühl ein wenig zurück in ihre Laufbahnen gedrückt. Hierzu benötigt der Fachmann ein teures Spezialwerkzeug, eine einfache große Schraubzwinge für 10 Euro aus dem Baumarkt tut es aber genau so gut. Was für ein Fest. Alle Kolben sind leichtgängig und spielen mit! Innerhalb von 30 Minuten sind beide Scheiben an ihrem Platz, die Bremssättel montiert und die linke Scheibe lässt sich auch wunderbar drehen… Hm. Die rechte sträubt sich ein wenig. Irgendwie wirkt sie verkantet, wenn ich die beiden Muttern des Sattels anziehe. Oder stimmt etwas mit dem Sattel nicht? Nein, das kann eigentlich nicht sein, der Audi hat immer gleichmäßig (wenn auch flatterig) gebremst. Vielleicht tut es ein beherztes Anziehen der Radmuttern, das bremst sich schon ein…
Merde! Es bremst sich NICHT ein. Im Gegenteil. Aus dem rechten Radkasten steigt nach einer kleinen Probefahrt stinkender Rauch auf, der auf wesentlich mehr als nur ein Einbremsen der Scheibe schließen lässt! Und jetzt? In etwas weniger als zwei Stunden möchte ich zu meinem halbfinnischen Fräulein Altona nach Hamburg aufbrechen! Aber nicht mit einer glühenden Bremsscheibe. Aaaaaahhhh!!! Warum immer ICH??? Tief durchatmen. Das Wetter ist schön. Problemdiagnose: Scheibe neu, Klötze neu, Sattel alt. Fazit? Sattel fest. Soweit zu den 472.000 Kilometern. Ich bocke den V8 erneut am Straßenrand auf, nehme das Rad herunter und demontiere ein weiteres mal die nun sehr heiße Bremse. Sattel runter, Scheibe ab. Der Sattel ist in der Tat fest! Warum ist mir das nie aufgefallen? Haben Sie einmal einen solchen Sattel in der Hand gehabt, ihn leichtgängig bewegt? Hier bei meinem schwimmt nichts mehr, die Führungsbolzen der zwei äußeren Klötze bewegen sich keinen Millimeter unter ihren Gummimanschetten. Für wortgewaltige Flüche ist nun keine Zeit mehr, tick tack tick tack in 1,5 Stunden möchte ich auf der Autobahn sein. Und ich sehe aus wie ein Schwein, das sollte ich vielleicht vorher auch noch ändern. Zwei Birkenklötze aus meinem Winterholzfundus, ein grober Hammer und ein großer Torx müssen als Spezialwerkzeug zum Zerlegen eines korpulenten Lucas-Bremssatels genügen…
Und tatsächlich – es genügt. Unter den porösen Gummimanschetten hatte sich Wasser in die Führungsbolzen gezogen, und diese sind stumpf den chemischen Gesetzen folgend in ihren Führungshülsen festgerostet. Viel Caramba, einige gezielte Schläge auf den mit den Birkenklötzen gekonterten Schwimmsattel und einige nun doch heraussprudelnde Flüche haben nicht nur die Nachbarn verschreckt, sondern tatsächlich auch den Sattel in seine drei Einzelteile zerlegt. Den Lump! Mitten auf der Straße im Schneidersitz kauernd säubere ich die Bolzen mit der Drahtbürste und fette sie mit Gleitlagerfett und Kupferpaste. Die Uhr tickt unerbittlich, und mein Äußeres – besonders meine Hände – möchte ich als ganz und gar nicht gesellschaftstauglich bezeichnen. Zerlege ich hier gerade wirklich unter Zeitdruck einen Bremssattel auf der Straße? Ja, was habe ich denn für Alternativen? Der KaSi ist noch nicht angemeldet und auf die Deutsche Bahn habe ich jetzt echt keine Lust. Also weiter. Sattel wieder zusammenstecken, alle Manschetten über die Nuten popeln, vier Klötze in die Kolben klippsen und wieder rauf auf das Federbein damit. Tick Tack Tick Tack.
Heureka! Er sitzt, der Sattel, die Scheibe lässt sich sauber drehen und auch das Entlüften des Systems klappt innerhalb von 2 Minuten! Alles wieder zuschrauben, verpacken, noch ein paar Fotos machen und dabei den Fotoapparat optisch ruinieren… Wie durch ein Wunder werde ich rechtzeitig fertig! Die neue gelochte Scheibe weckt großes Vertrauen, die neue Gangbarkeit des Bremssattels auch und tief in mir drin beschließe ich, in diesem Sommer zwei Reparaturkits für meine Bremssättel zu erwerben und beide einmal komplett zu überarbeiten. Die Manschetten sehen nicht so aus, als ob sie es noch lange machen würden… Die Probefahrt wird der eigentliche Weg über die Autobahn nach Hamburg sein. Für mehr ist vorher keine Zeit. Dank eines Anrufs (wann ich denn käme) sieht nun mein (weißes…) Handy genau so schlimm aus wie mein Fotoapparat, und ein paar Minuten später reiht sich mein Waschbecken in diese homogene Schmuddelgruppe ein. Bremsstaub, Kupferpaste, Schmieröl und Dreck – was für eine Mischung. Ich fühle mich wie König Midas, nur mit dem Unterschied, dass nicht alles durch mich berührte zu Gold wird, sondern dramatischen Wertverlust durch Versiffung erleidet. Nur meine Hände selbst wollen irgendwie nicht sauberer werden. Ich hoffe, meine große Liebe in Hamburg hat dafür Verständnis…
Wissen Sie, wie es Ihrem Bremsen geht? Wagen Sie sich da auch einmal selbst dran? Ich werde nun öfter auf ihren Zustand achten und freue mich über meine in diesem Zusammenhang endlich aufgezogenen Sommerreifen. Und fragen Sie nicht nacht dem Zustand der Felgen. Das ist eine andere Geschichte ;-)
Sandmann